Rundschreiben (November 2021)

Sehr geehrte Damen und Herren,

kurz nach dem jährlich stattfindenden Tag der Landesgeschichte erhalten Sie den zweiten Newsletter für das Jahr 2021. Der 48. Tag der Landesgeschichte am letzten Oktoberwochenende fand dieses Jahr auf Einladung des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde (VLGA) im Rathaus der Hansestadt Lübeck statt. Der VLGA wurde bereits 1821 gegründet und konnte somit in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern. Insofern passte die Tagung mit dem thematischen Schwerpunkt „Bürgerliches Engagement in Vereinen und Vereinigungen im langen 19. Jahrhundert“ bestens zum Gründungsjubiläum des VLGA.

Wir danken den Veranstaltern, dass wir sowohl den herrschaftlichen Bürgerschaftssaal als auch den großen Börsensaal im Rathaus der Hansestadt für die Sitzungen und die Tagung selbst nutzen konnten, auch wenn die aktuelle Situation nur eine beschränkte Teilnehmerzahl in Präsenz zugelassen hat. Weitere Details zum Tagungsprogramm können Sie der Webseite des Gesamtvereins entnehmen. Darüber hinaus möchten wir an dieser Stelle auf den Tagungsbericht zum letztjährigen Tag der Landesgeschichte in Mühlhausen mit dem Thema „Bauernkrieg. Aufruhr in den deutschen Landen“ verweisen.

Wie gewohnt möchten wir Sie in diesem Rundschreiben auf weitere interessante Projekte sowie auf Veranstaltungen und Neuerscheinungen hinweisen.

Ihr

Dr. Johannes Mötsch

Karl-Lamprecht-Medaille für Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann

Bei der Auftaktveranstaltung zum 48. Tag der Landesgeschichte in Lübeck wurde Frau Prof. Dr. Antjekathrin Graßmann die Karl-Lamprecht-Medaille für langjähriges und verdienstvolles Engagement für die Landesgeschichte verliehen. Unser langjähriges Beiratsmitglied wirkte 18 Jahre lang als Direktorin des Lübecker Stadtarchivs. Zu den Höhepunkten ihrer Zeit zählte 1987 die Rückführung der im Zweiten Weltkrieg ausgelagerten Lübecker Archivalien aus der DDR und der UdSSR. Insgesamt 40 Tonnen Archivalien, davon 800 laufende Meter aus der DDR und 300 aus der UdSSR landeten in Lübeck, deren Lagerung und Neuordnung sie zu bewältigen hatte. Als Autorin hat sie sich in der Hansestadt einen Namen gemacht u.a. mit dem Grundlagenwerk „Lübeckische Geschichte“ und mit dem von ihr herausgegebenen neuen „Lübeck-Lexikon“. Frau Die Laudatio für die Honorarprofessorin an der Universität Kiel hielt der Ehrenvorsitzende des Gesamtvereins Prof. Dr. Manfred Treml, die Sie hier nachlesen können. 

Friedrich-Christian-Lesser-Preis an Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsverein

Am 4. Dezember wird in der Stadtkirche St. Trinitatis zu Wasungen der Friedrich-Christian-Lesser-Preis verliehen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung für hervorragende Arbeit der Heimat- und Geschichtsvereine in Thüringen geht 2021 an den Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsverein e.V., der seit seiner Wiederbegründung im März 1990 eine reiche Forschungs-, Publikations- und Veranstaltungstätigkeit entfaltet hat. Insbesondere die seit 1991 erscheinenden Jahrbücher gehören zu den führenden landesgeschichtlichen Zeitschriften im Freistaat Thüringen. Mit heute mehr als 350 Mitgliedern gehört der Hennebergisch-Fränkische Geschichtsverein zu den mitgliederstärksten historischen Vereinen des Landes. Er unterstützt Ortschronisten und wirkt mit Exkursionen, Vortragsveranstaltungen und Ausstellungen in beispielgebender Weise für die landesgeschichtliche Forschung und die historische Bildungsarbeit.

Grabmal von Karl Lamprecht restauriert

Die Medaille, die der Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine für besondere Verdienste verleiht, ist nach Karl Lamprecht (1856-1915) benannt. Der bedeutende Landeshistoriker – Gründer der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und zuletzt Professor in Leipzig – fand seine letzte Ruhestätte auf dem Schulfriedhof von Schulpforta. In den vergangenen Jahren war die Restaurierung des Grabmals ein regelmäßiger Tagesordnungspunkt bei den Sitzungen des Gesamtvereins. Diesen Sommer wurde der Grabstein schließlich restauriert u.a. auch mit finanzieller Unterstützung des Gesamtvereins.

Der von Felix Georg Pfeiffer geschaffene Grabstein ist von kunsthistorischem und historischem Interesse. Die Rückseite enthält folgenden Text: Der Historiker muss der Vergangenheit Gegenwart einhauchen können gleich Ezechiel d[em] Propheten: er schreitet durch ein Gefilde voller Totengebeine, aber hinter ihm rauscht erwachendes Leben.

Die „Einweihung“ konnte coronabedingt nicht wie ursprünglich angedacht beim jährlichen Sommerfest in Anwesenheit der gesamten Schulgemeinde stattfinden, dennoch nahm der Vorsitzende Dr. Johannes Mötsch am 20. Juni stellvertretend für den Gesamtverein am Pressetermin teil.   

Stammbuchsammlung des Niedersächsischen Landesarchivs Wolfenbüttel

Am 1. März 2021 hat das Projekt „Digitalisierung und Erschließung der Stammbuchsammlung des Niedersächsischen Landesarchivs – Abteilung Wolfenbüttel“ begonnen. Es wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und ist aktuell eines von drei DFG-Projekten des Niedersächsischen Landesarchivs.

In den kommenden zwei Jahren sollen unter Bearbeitung von Dr. Magnus Ulrich Ferber und archivfachlicher Leitung von Dr. Philip Haas über 300 Stammbücher einer Einzelblatterschließung unterzogen und mit hochauflösenden Farbdigitalisaten verknüpft werden.

Stammbücher entstanden im 16. Jahrhundert aus Widmungs- und Autografensammlungen der Wittenberger Reformatoren. Diese Praxis wurde im Laufe der Frühen Neuzeit zu Büchern ausgeweitet, in denen insbesondere Studenten und Adlige auf Reisen Einträge von Kommilitonen, Professoren, Honoratioren, Machthabern und sonstigen Bekanntschaften sammelten. Zunehmend führten auch Frauen, Offiziere, Künstler, Musiker, Handwerker und Gelehrte Stammbücher von gruppenspezifischer Prägung. Die vielsprachigen, oftmals kunstvoll ausgestalteten und reich illustrierten Freundschaftsalben wurden zu memorialen Zwecken angelegt, sollten aber auch Beziehungsnetzwerke veranschaulichen und Dritten als Empfehlungsschreiben dienen. Damit sind sie eine wichtige historische Quelle für unterschiedliche Disziplinen und verschiedene Fragestellungen. Mit der Stammbuchsammlung in der Abteilung Wolfenbüttel verfügt das Niedersächsische Landesarchiv über die größte Stammbuchsammlung in Niedersachsen und ein der größten weltweit. 

Neue Website des ISGV-Bildarchivs

Seit dem 1. März 2021 ist die neue Website des ISGV-Bildarchivs verfügbar. Seit fast 20 Jahren werden Bildbestände, die das Institut aus Vorgängereinrichtungen übernommen hat oder die im Rahmen wissenschaftlicher Projekte entstanden sind, gesammelt und im Internet präsentiert. 2020 wurde die Website komplett überarbeitet und um wesentliche Funktionen erweitert: Neben einem neuen Design und verbesserter Suchfunktionen werden ausgewählte Bilder nun durch „kuratierte Projekte“ in einem themenspezifischen Rahmen präsentiert.

Seit dem Relaunch hat das (digitale) Bildarchiv seine Besucherzahlen mehr als verdoppeln können, die bisherigen Rückmeldungen, auch seitens Vertreter*innen kulturwissenschaftlicher Einrichtung, sind überaus positiv. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Integration der sogenannten Fehlermeldung: Den Nutzenden steht nunmehr eine niedrigschwellige Funktion zur Verfügung, Rückmeldung zu fehlerhaften Bildinhalten und Metadaten zu geben. So können sie sich aktiv an der qualitativen Aufarbeitung der Bildquellen beteiligen. 

DFG-Projekt „Landesuniversitäten“

Das am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften (Tübingen) sowie dem Institut für Pfälzisch-Fränkische Geschichte und Landeskunde (Heidelberg) angesiedelte DFG-geförderte Projekt untersucht das Phänomen der „Landesuniversität“ in Spätmittelalter und Früher Neuzeit anhand verschiedener Fallbeispiele und Fragestellungen.

Während das Heidelberger Projekt die Finanzierung vormoderner Universitäten in den Mittelpunkt stellt, betrachtet das Tübinger Vorhaben spätmittelalterliche Universitätsgründungsprozesse. Es lenkt den Blick auf die Motive der Initiatoren und fragt nach den Voraussetzungen für Erfolg und Scheitern entsprechender Initiativen, den logistisch-administrativen Rahmenbedingungen und den unterstützenden Personen(-netzwerken). Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Sigrid Hirbodian (Tübingen) und PRof. Dr. Jörg Pelzer (Heidelberg). 

Kontroverse um die Mainzer Steinhalle

Die ehemalige kurfürstliche Reithalle des Mainzer Landesmuseums beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen aus der Antike nördlich der Alpen und wird daher als Steinhalle bezeichnet. Fünf Jahre lang musste diese geräumt werden, um dem rheinland-pfälzischen Landtag Platz zu machen während der Sanierung des historischen Landtagsgebäudes. Anders als ursprünglich zugesagt, wollte nun der rheinland-pfälzische Landtagspräsident die Steinhalle dem Museum nicht wieder zurückgeben und dort stattdessen mit der Interims-Plenarbestuhlung zukünftig ein "Demokratielabor" einrichten.

Wegen der dauerhaft geplanten Umwidmung der Steinhalle durch den Landtag erhob sich im Juni 2021 heftiger Protest von Historiker*innen und Archäolog*innen, die schließlich in einer Open Petition mündete. Die 5.900 Unterzeichner aus dem In- und Ausland – darunter auch der Gesamtverein – forderten in lebhaften Diskussionen den Erhalt der Steinhalle als museale Präsentationsfläche des Landesmuseums. Mit Erfolg: Ende November zeichnete sich jetzt eine Lösung ab. Der Landtag besteht nicht länger darauf, die Steinhalle weiter für Veranstaltungen zur Demokratiebildung zu nutzen.

Dennoch wird die Steinhalle dem Museum noch nicht gleich zur Verfügung stehen: Bis 2024 wird sie mit dem vorhandenen Plenargestühl weiterhin vom Mainzer Stadtrat genutzt werden, denn zurzeit wird das Rathaus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt ebenso umfassend saniert. Also Zeit für das Landesmuseum, an einer Neukonzeption der Ausstellungsfläche in der Steinhalle zu arbeiten. Die kontrovers geführte Debatte zum Erhalt der Steinhalle ist nun in einer eigenen Publikation im Verlag schnell + steiner erschienen. 

25 Jahre Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde

Das Jubiläumsprogramm des ISGV sieht vor, dass Mitarbeiter Vortragsthemen aus dem Arbeitsbereich des Instituts anbieten, die von Geschichtsvereinen und Einrichtungen gebucht werden können. Das Vortragsangebot ist kostenlos. Anfallende Reisekosten übernimmt das Institut.