Neue Lösung für das Archivgut der pommerschen Landeskirche

Die Bischofsvilla in der Greifswalder Petershagenallee war viele Jahre Sitz des Archivs der pommerschen Landeskirche

Das Vorhaben der Nordkirche, das nach Schwerin und Kiel verbrachte Archivgut der ehemaligen pommerschen evangelischen Landeskirche dort dauerhaft zu belassen, hat nicht nur in Vorpommern große Proteste ausgelöst. Ursprünglich wollte sich die Nordkirche mit einem Betrag von 1,1 Millionen Euro an dem Bau eines neuen Archivzentrums in Greifswald beteiligen, hat dann aber mit der Begründung schwindender Einnahmen und den finanziellen Folgen der CORONA-Krise von einem landeskirchlichen Archiv in Vorpommern Abstand genommen. Dies löste nicht nur bei Kirchen- und Landeshistorikern vor Ort große Empörung aus. Auch der Gesamtverein hat auf Anregung der Historischen Kommission für Pommern und der Gesellschaft für pommersche Geschichte und Altertumskunde, beide unsere Mitglieder, in einem Schreiben auf den Erhalt eines Kirchenarchivs in Vorpommern hingewirkt. Die zahlreichen Eingaben an die Landesbischöfin der Nordkirche hatten schließlich Erfolg.

Ende Januar 2021 verständigte sich nach langen kircheninternen Verhandlungen ein Sachverständigengremium, an dem auch Mitglieder der Historischen Kommission teilnahmen, auf einen Kompromiss. So wird sich die Nordkirche aus Kostengründen nicht mehr an dem geplanten Archivzentrum beteiligen. Stattdessen soll noch in diesem Jahr in Greifswald eine Außenstelle des landeskirchlichen Archivs eingerichtet werden. Die Bestände der Außenstelle werden nach historischen und archivarischen Kriterien ausgewählt. Genaueres steht allerdings noch nicht fest. Für die Betreuung der Außenstelle ist eine Kraft vorgesehen, die sich neben der Erschließung und Benutzerbetreuung auch um die bisher archivisch nicht versorgten Pfarrarchive kümmern soll.

Neben dem Neubau des Stadtarchivs Greifswald war die Errichtung eines weiteren Archivbaus zur Unterbringung des landeskirchlichen Archivs und den Landesarchivs Greifswald geplant.

Dennoch ist vieles derzeit noch unklar und völlig offen. Vor allem die Frage, wo die Außenstelle untergebracht werden soll, scheint noch nicht geklärt. So weist die Leiterin des Archivs der Nordkirche auf die besonderen Anforderungen an die Archivräume hin; ein geeignetes Raumklima und der Schutz vor Schädlingen sind zu gewährleisten. Insgesamt zwei Jahre haben die Archivare der Nordkirche nun Zeit, eine Konzeption der Greifswalder Außenstelle zu entwickeln und zu erproben, worauf die Pressemitteilung der Nordkirche ausdrücklich hinweist: „Die Projektstelle ist zunächst auf zwei Jahre beschränkt. Während dieser Zeit möchte die Nordkirche in verschiedenen Evaluationen herausfinden, welche Angebote für die Außenstelle Greifswald passen.“ Man darf also gespannt sein, wo und wie künftig in der Außenstelle des landeskirchlichen Archivs in Greifswald welches pommersche Archivgut der Nordkirche für die Benutzer bereitgestellt wird.